Alexander Leipold

Alexander Leipold ist Doktorand am Zentrum für Demokratieforschung der Leuphana Universität Lüneburg. In seinem Dissertationsprojekt untersucht er die Bedeutung von finanzpolitischer Expertise für Unternehmensteuerreformen in Deutschland seit 1965. Leipold hat nach einer Berufsausbildung zum Verwaltungsfachangestellten Politik- und Verwaltungswissenschaften an der Universität Hagen studiert. Seit 2019 ist er Referent in der Strategieabteilung der Universität Hamburg. Leipolds Interessenschwerpunkte liegen in der Politischen Soziologie, der Globalen Politischen Ökonomie und der Ideengeschichte.

Ein Bild von Alexander Leipold.

Eigenes Forschungsprojekt

In seinem Dissertationsvorhaben untersucht Leipold eine besondere Variante von Eigentumskonflikten: die Gesetzgebung zur Unternehmensbesteuerung. Die Besteuerung von Kapital (in Form von Unternehmen) ist ein wichtiges Instrument distributiver Gerechtigkeit und damit auch zur Herstellung politischer Gleichheit. Sie ist besonders konfliktträchtig, da nur wenige Personen über Unternehmen und damit einhergehende ökonomische Leistungsfähigkeit verfügen. Dennoch wurden gerade die Steuern auf mobiles Kapital in den letzten Jahrzehnten immer weiter gesenkt. Steuererhöhungen für Vermögende und Unternehmenseigner rufen ein hohes Protestpotential hervor. Als Beispiel sei die Auseinandersetzung um die Erbschaftsteuer genannt, in der sich das Narrativ der „Familienunternehmen“ als bewahrenswerter Eigentumsform durchgesetzt hat. Das Projekt ist als historischer Längsschnitt von zehn Fallstudien angelegt. Individuelle Äußerungen in Pressedebatten und Anhörungen im Deutschen Bundestag werden über eine Diskursnetzwerkanalyse visualisiert, um dadurch die Akteurpartizipation an den Reformdebatten zu ermitteln. Der hierdurch entstandene Datensatz umfasst rund 36.000 Statements zu Steuerreformvorhaben zwischen 1965 und 2016. Neben der empirischen Analyse untersucht Leipold rivalisierende Konzepte der Unternehmensbesteuerung, die sich sich über Zeit immer stärker neoliberalen Leitbildern angenähert haben. Das Projekt wird von Marion Reiser und Dieter Plehwe betreut.

Veröffentlichungen

  • Die Entwicklung des „Steuerstaates“: Ursprung, Aufstieg und Ende eines finanzwirtschaftlichen Fortschrittsparadigmas (mit Sebastian Huhnholz), 2021, Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte 20, 505–552. DOI: 10.1515/jbwg-2021-0018.
  • Steuervermeidung und liberale Steuertheorie. Ein Beitrag zum konzeptionellen Wandel von Besteuerungsgrundsätzen nach 1945, 2021, Zeitschrift für Politische Theorie 11, 273–290. DOI: 10.3224/zpth.v11i2.07.
  • Debates about Causes of and Remedies for Tax Evasion from Antiquity to the 20th Century. Tagungsbericht. Historikertag 2021, H-Soz-Kult: http://www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-9163
  • Zwei Streitschriften über Produktion und Legitimation politischer Ungleichheit, 2021, Politische Vierteljahresschrift, 62, 405–408. DOI: 10.1007/s11615-021-00314-1.
  • Besprechung: M. Böick: Die Treuhand. Idee–Praxis–Erfahrung. 1990-1994, 2020, Neue Politische Literatur, 65, 568–570. DOI: 10.1007/s42520-020-00321-3.
  • Neue Beiträge zur Krise des demokratischen Kapitalismus, 2020, Politische Vierteljahresschrift, 61, 655–658. DOI: 10.1007/s11615-020-00264-0.
  • Risiko Plattformarbeit, 2020, Makroskop. Magazin für Wirtschaftspolitik 4, 70-75.

Teilprojekte