Eigentum, Medien und Öffentlichkeit

Unbestreitbar hat der Wandel von Eigentumsverhältnissen massive Folgen für die gesellschaftliche Öffentlichkeit und damit für das Gelingen von Demokratie. Dennoch kann der (kritischen) Öffentlichkeitstheorie eine weitgehende Eigentumsvergessenheit attestiert werden. Diese betrifft Eigentum an Medien und Kommunikationsmitteln, wie Massenmedien, soziale Medien und deren Plattformen; sie betrifft aber auch die Fragen, wer die Macht hat, durch organisierte Kommunikation Einfluss auf die Öffentlichkeit zu nehmen und ob Bürger:innen sich an öffentlichen Diskussionen beteiligen können. Hier beobachten wir derzeit einen weitreichenden Strukturwandel: Die Möglichkeit der Verbreitung der eigenen Meinung über Medien- und Kommunikationsmittel hat sich durch digitale Technologien verallgemeinert und teilweise demokratisiert. Gleichzeitig polarisieren sich die sozialen und ökonomischen Verhältnisse und es kommt zu einer verschärften Verteidigung des eigenen Besitzes und von Identitäten, die sich auch auf das Beteiligungsverhalten an Öffentlichkeiten auswirkt.

Unterdessen geht die Vermarktung von Aufmerksamkeit ungebrochen weiter und wir erleben einen mehrschichtigen Prozess der Privatisierung: einzelne Knotenpunkte der öffentlichen Kommunikation, wie zum Beispiel Zeitungen, Filmstudios und Fernsehsender, befinden sich seit längerem in der Hand von wenigen großen Medien- und Kommunikationskonzernen und öffentlich-rechtliche Medien sind unter Druck. In jüngerer Zeit konzentriert sich zudem die Infrastruktur von (digitaler) Öffentlichkeit – also die Kontrolle der attraktivsten und meistgenutzten technischen Verbreitungsmittel für die unterschiedlichsten Inhalte und Anbieter – bei wenigen Digitalunternehmen, die die einflussreichsten Plattformen besitzen. Dadurch werden Medienorganisationen und auch die lebensweltlichen Grundlagen des Journalismus in den Einflussbereich dieser Akteure gezogen. Diese Entwicklungen sind verbunden und motiviert durch neue Geschäftsmodelle, einschließlich der möglichen Enteignung, Ausbeutung und Strukturierung von kommunikativen Tätigkeiten. Das betrifft beispielsweise Datenspuren für die Entwicklung maschinellen Lernens und zielgerichteter Werbung; aber auch eine gezielte politische Einflussnahme der Eigentümer:innen auf die Infrastruktur von Öffentlichkeit ist nicht länger auszuschließen.  

Die Texte des Dossiers analysieren die sozialen Voraussetzungen dieser Situation und erforschen den Strukturwandel des Eigentums und der Öffentlichkeit: Es beginnt mit Texten zu Eigentum und Öffentlichkeiten und wendet sich dann der spezifischeren Rolle von (digitalen) Medien zu. Abschließend geht es um die umkämpfte Form des geistigen Eigentums in der Digitalisierung, etwa betreffend Wissen, Informationen und Daten, die in der Öffentlichkeit zirkulieren oder ihr entzogen sind.

Eigentum und Öffentlichkeit

Nancy Fraser, Victor Kempf, Martin Seeliger & Sebastian Sevignani

Kapitalismus und umkämpfte Öffentlichkeit. Ein Gespräch mit Nancy Fraser

Wie funktioniert Öffentlichkeit im Kapitalismus? Nancy Fraser im Gespräch über „subalterne“ und rechte „Gegenöffentlichkeiten“ und die Auswirkungen von „sozialen Medien“.

Interview

Alex Demirovic & Sebastian Sevignani

Jürgen Habermas und der Strukturwandel der Öffentlichkeit

Sebastian Sevignani zu Gast im Too long, didn’t read-Podcast der Rosa Luxemburg Stiftung.

Podcast

Hartmut Rosa & Tilo Wesche

Die demokratische Differenz zwischen besitzindividualistischen und kommunitären Eigentumsgesellschaften.

Die Autoren beleuchten die zunehmenden Krisen individualistischer Eigentumsarrangements und entwickeln eine wirtschaftsdemokratische Eigentumsgesellschaften als Alternative.

Journal

Martin Seeliger & Sebastian Sevignani

Zum Verhältnis von Öffentlichkeit und Demokratie. Ein neuer Strukturwandel?

Jürgen Habermas diagnostizierte vor über 60 Jahren einen Strukturwandel der Öffentlichkeit. Ist es Zeit für eine neue Zeitdiagnose?

Buchbeitrag

Sebastian Sevignani

Digital Transformations and the Ideological Formation of the Public Sphere: Hegemonic, Populist, or Popular Communication?

Im Zeitalter der digitalen Medien brauchen wir eine neue Theorie von Ideologie und Öffentlichkeit. In diesem Beitrag macht Sebastian Sevignani Vorschläge.

Journal

Eigentum und (digitale) Medien

Hendrik Theine, Mandy Tröger & Sebastian Sevignani

Wer beherrscht die Medien? Zur Einfassung des Journalismus durch Technologiekonzerne

Mit dem Konzept der „media environment capture“ analysieren die Autor:innen den zunehmenden Einfluss von Technologiekonzerne auf allen Ebenen der journalistischen Informationsproduktion.

Journal

Catalina Renc & Stefan Schmalz

Milliardengeschäft mit der digitalen physischen Infra-struktur

Die physische Infrastruktur für Digitales – Mobilfunkmasten, Unterseekabel und Rechenzentren – werden zunehmend von Finanzakteuren übernommen.

Blog

Sebastian Sevignani

Kritische Politische Ökonomie

Eine Einführung in die wichtigsten Debatten der kritischen politischen Ökonomie der Medien und Kommunikation.

Handbucheintrag

Rikap, Cecilia, Cédric Durand, Edemilson Paraná, Paolo Gerbaudo, und Paris Marx

Reclaiming Digital Sovereignty: A Roadmap to Build a Digital Stack for People and the Planet

Digitale Technologien bieten viele Chancen, dienen aber momentan der ökonomischen Konzentration. In diesem Policy Paper: Vier Vorschläge, um dies zu ändern.

Policy Paper

Carsten Herrmann-Pillath

Neue Steuer auf Künstliche Intelligenz: So sollen Google und Co. endlich für Bildung zahlen

KI nutzt eine „Wissens-Allmende“ und sollte deshalb auch zu ihrer Erhaltung beitragen – in Form einer Steuer, die Bildung und Wissenschaft unterstützt.

Zeitungsartikel

Geistiges Eigentum und Digitalisierung

Tilo Wesche & Niklas Angebauer

Wem gehören die Daten?

Dieser Buchbeitrag bietet einen Überblick zu Eigentum an Daten im Kontext digitaler Infrastruktur, digitalem Kapitalismus und gemeinschaftlichem/öffentlichem Digitaleigentum.

Buchbeitrag

Tilman Reitz, Marlen van den Ecker & Sebastian Sevignani

Eigentum im digitalen Kapitalismus. Ökonomie, Recht und Praxis

Damit Wissen gedeiht, muss es offen zugänglich sein; doch ohne Ausschluss kann es keine Wertschöpfung geben. Der Beitrag beleuchtet die Bedingungen und Auswirkungen dieses Widerspruchs anhand des Problems geistigen Eigentums.

Buchbeitrag

Carsten Herrmann-Pillath

Marx, Maschinen und der Anfang vom Ende. Fragments on Machines ist kein Science-Fiction-Thriller

Über KI als größte Zumutung für den Kapitalismus. Ein Gespräch über Wissen, Macht und die Frage, ob Marktwirtschaft ohne Ausbeutung überhaupt denkbar ist.

Podcast

Tilman Reitz

Das Gemeinsame, das Ausschließliche und das Unrentable. Funktionsprobleme des postindustriellen Kapitalismus

Der postindustrielle, digitale Kapitalismus gerät in ökonomische und soziale Dilemmata, welche verschärfte Verteilungskämpfe hervorrufen, so Tilman Reitz.

Buchbeitrag

Cecilia Rikap

Cecilia Rikap on Intellectual Monopoly Capitalism and Corporate Power in the Age of AI

Cecilia Rikap war zu Gast beim SfB. Hier spricht sie im Future Histories Podcast zu Monopolkapitalismus und Unternehmensmacht in Zeiten von AI.

Podcast

Zum Weiterlesen

Bei weitergehendem Interesse kann auch die durchsuchbare Textdatenbank/Bibliografie der Neuen Bibliothek des Eigentums genutzt werden, verwiesen sei beispielsweise auf: