Nancy Fraser, Victor Kempf, Martin Seeliger & Sebastian Sevignani
Eigentum, Medien und Öffentlichkeit
Unbestreitbar hat der Wandel von Eigentumsverhältnissen massive Folgen für die gesellschaftliche Öffentlichkeit und damit für das Gelingen von Demokratie. Dennoch kann der (kritischen) Öffentlichkeitstheorie eine weitgehende Eigentumsvergessenheit attestiert werden. Diese betrifft Eigentum an Medien und Kommunikationsmitteln, wie Massenmedien, soziale Medien und deren Plattformen; sie betrifft aber auch die Fragen, wer die Macht hat, durch organisierte Kommunikation Einfluss auf die Öffentlichkeit zu nehmen und ob Bürger:innen sich an öffentlichen Diskussionen beteiligen können. Hier beobachten wir derzeit einen weitreichenden Strukturwandel: Die Möglichkeit der Verbreitung der eigenen Meinung über Medien- und Kommunikationsmittel hat sich durch digitale Technologien verallgemeinert und teilweise demokratisiert. Gleichzeitig polarisieren sich die sozialen und ökonomischen Verhältnisse und es kommt zu einer verschärften Verteidigung des eigenen Besitzes und von Identitäten, die sich auch auf das Beteiligungsverhalten an Öffentlichkeiten auswirkt.
Unterdessen geht die Vermarktung von Aufmerksamkeit ungebrochen weiter und wir erleben einen mehrschichtigen Prozess der Privatisierung: einzelne Knotenpunkte der öffentlichen Kommunikation, wie zum Beispiel Zeitungen, Filmstudios und Fernsehsender, befinden sich seit längerem in der Hand von wenigen großen Medien- und Kommunikationskonzernen und öffentlich-rechtliche Medien sind unter Druck. In jüngerer Zeit konzentriert sich zudem die Infrastruktur von (digitaler) Öffentlichkeit – also die Kontrolle der attraktivsten und meistgenutzten technischen Verbreitungsmittel für die unterschiedlichsten Inhalte und Anbieter – bei wenigen Digitalunternehmen, die die einflussreichsten Plattformen besitzen. Dadurch werden Medienorganisationen und auch die lebensweltlichen Grundlagen des Journalismus in den Einflussbereich dieser Akteure gezogen. Diese Entwicklungen sind verbunden und motiviert durch neue Geschäftsmodelle, einschließlich der möglichen Enteignung, Ausbeutung und Strukturierung von kommunikativen Tätigkeiten. Das betrifft beispielsweise Datenspuren für die Entwicklung maschinellen Lernens und zielgerichteter Werbung; aber auch eine gezielte politische Einflussnahme der Eigentümer:innen auf die Infrastruktur von Öffentlichkeit ist nicht länger auszuschließen.
Die Texte des Dossiers analysieren die sozialen Voraussetzungen dieser Situation und erforschen den Strukturwandel des Eigentums und der Öffentlichkeit: Es beginnt mit Texten zu Eigentum und Öffentlichkeiten und wendet sich dann der spezifischeren Rolle von (digitalen) Medien zu. Abschließend geht es um die umkämpfte Form des geistigen Eigentums in der Digitalisierung, etwa betreffend Wissen, Informationen und Daten, die in der Öffentlichkeit zirkulieren oder ihr entzogen sind.
Eigentum und Öffentlichkeit
Eigentum und (digitale) Medien
Geistiges Eigentum und Digitalisierung
Zum Weiterlesen
Bei weitergehendem Interesse kann auch die durchsuchbare Textdatenbank/Bibliografie der Neuen Bibliothek des Eigentums genutzt werden, verwiesen sei beispielsweise auf:
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Boyle, James. 2008. The Public Domain: Enclosing the Commons of the mind. New Haven, Conn. Yale Univ. Press
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Butollo, Florian und Schneidemesser, Lea. 2022. Who runs the show in digitalized manufacturing? Data, digital platforms and the restructuring of global value chains. Global networks: a journal of transnational affairs.
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Theine, Hendrik und Sebastian Sevignani. 2024. "Special Issue: Media Transformation and the Challenge of Property". European Journal of Communication 39 (5).
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Sevignani, Sebastian, und Hendrik Theine, Hrsg. 2025. „Special Section: Unpacking Property: Media, Ownership, and Power in Transformation“. International Journal of Communication 19 (2025).