Eigentum und Demokratie

Aktuell stehen die Grundfesten der Demokratie zunehmend unter Druck. Doch wie hängen die Krise und die Angriffe auf demokratische Institutionen mit der Verteilung von Eigentum und Reichtum im Detail zusammen? Und welche Lehren kann man aus der Geschichte ziehen? Unsere Forschung zum „Strukturwandel des Eigentums“ kann hierzu wichtige Erkenntnisse beitragen und sichtbar machen, wie Eigentumsverhältnisse politische Teilhabe, gesellschaftliche Machtverhältnisse und demokratische Handlungsspielräume prägen.

Das vorliegende Dossier macht deutlich, dass Eigentum und Demokratie nicht getrennt voneinander betrachten werden können. Wenn beispielsweise durch Privatisierungs- und Austeritätspolitik öffentliche und zivilgesellschaftliche Akteure geschwächt werden, verändern sich auch die Voraussetzungen demokratischer Selbstbestimmung. Ebenso sind die Eigentumsstrukturen im Medienbereich ein zentraler Bestandteil demokratischer Gesellschaften: Sie schaffen Öffentlichkeit, ermöglichen politische Meinungsbildung und tragen zur Kontrolle gesellschaftlicher und politischer Macht bei. Umso relevanter ist beispielsweise die Frage, wem Medien gehören und wie Konzentrationsprozesse die Vielfalt und Unabhängigkeit öffentlicher Debatten beeinflussen.

Schließlich gilt es soziale Ungleichheiten innerhalb von Demokratien in den Blick zu nehmen. Denn auch wenn demokratische Ordnungen formal auf der politischen Gleichheit aller Bürger:innen beruhen, sind die Möglichkeiten politischer Einflussnahme keineswegs gleich verteilt. Wer über weniger Eigentum, Vermögen und Ressourcen verfügt, ist vielfach auch in politischen und gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen weniger repräsentiert und durchsetzungsfähig. Und auch historisch genossen in Demokratien nicht immer alle Menschen gleichermaßen demokratische Rechte – wie das Beispiel versklavter Menschen in den USA auf besonders drastische Weise illustriert.

Demokratie und Eigentum müssen daher zwingend gemeinsam betrachtet werden. Davon ausgehend kann gefragt werden: Wie müssen Eigentumsverhältnisse gestaltet sein, damit Demokratie nicht nur formal besteht, sondern , gesellschaftliche Teilhabe, politische Gleichheit und kollektive Gestaltungsmöglichkeiten verstärkt ermöglicht werden?

Stefanie Middendorf

Im Vorraum der Diktaturen. Hilft der Blick nach Weimar?

Leben wir in Weimarer Verhältnissen, wenn es um Ungewissheit, Radikalisierung und Sehnsüchte nach Führung und (Selbst-)Ermächtigung geht? Ein Rück- und Ausblick.

Blogpost

Niklas Angebauer

Democratising Property. The Case for Economic Democracy

Niklas Angebauer argumentiert entgegen geläufiger Annahmen, dass Eigentum ohne Demokratie unvollständig ist.

Buchbeitrag

Stefanie Middendorf

"Wir haben es mit schleichenden Veränderungen zu tun"

Der Faschismus lebte auch nach 1945 fort, auch wenn sich seine Form verändert hat und manchmal auf den ersten Blick uneindeutig wirkt.

Zeitschrift

Florian Peters

Referendum on Austerity: Poland's Rapprochement With the IMF and the Run-Up to Neoliberal Shock Therapy

Demokratie nur mit Austerität? Florian Peters zeigt die Spannungen von „Structural Adjustment“ Programmen auf, für die auch Polen sich in den 1980ern bewarb.

Journal

Silke van Dyk, Luzie Gerstenhöfer und Markus Kip

Sozial- und Solidarwirtschaft im neuen Munizipalismus: Eine Entprivatisierung der Stadt?

Austeritätspolitik hat zu Widerstand geführt. Am Beispiel der Solidarwirtschaft in Spanien und England werden Strategien, Erfolge und Barrieren analysiert.

Journal

Silke van Dyk

Post-Truth, the Future of Democracy and the Public Sphere

Spätestens seit Trump wird die liberale Demokratie offen von rechts angegriffen. Silke van Dyk untersucht die “Krise der Faktizität” und Antworten darauf.

Journal

Sebastian Sevignani, Hendrik Theine und Mandy Tröger

Unpacking Property: Media, Ownership and Power in Transformation

Demokratie hängt von Kommunikationsmedien ab. Doch wie verändern sich diese? Dieser Beitrag untersucht die Auswirkungen von Eigentumskonzentration.

Journal

Silke van Dyk und Markus Kip

Double Democratization and the Politics of Property in Municipalist Barcelona

Das Beispiel Barcelona zeigt eine doppelte Demokratisierung durch kommunales Eigentum: Stärkung öffentlicher Behörden und der Zivilgesellschaft.

Journal

Felix Krämer und Jürgen Martschukat

Im Land von Eigentum und (Un-)Freiheit

Die Frage nach Eigentum und Demokratie wirft auch das Thema der Versklavung von Menschen auf. Ein historischer Blick auf die USA.

Zeitschrift

Marion Reiser, Jonathan Rinne und Lars Vogel

Affluence and Preferences for Democratic Representation: The Case of German Citizens and Legislators

Ökonomische Ungleichheit spiegelt sich nicht nur in demokratischer Repräsentation wider, sondern auch in den Wahlpräferenzen: Arme wählen anders als Reiche.

Journal

Marion Reiser, Lars Vogel, Pauline Stockmann und Alexander Hentschel

Geld, Einfluss und politische Gleichheit: Wie Abgeordnete die Rolle ökonomischer Ressourcen im politischen Wettbewerb einschätzen

Demokratie verspricht demokratische Gleichheit. Doch wie sieht die Realität aus? Dieser Beitrag erkundet die Schieflage zwischen denen mit und ohne (finanziellem) Eigentum.

Blogpost

Marion Reiser, Jonathan Rinne und Lars Vogel

Unequal Democracy aus Sicht der Abgeordneten. Befunde der Jenaer Abgeordnetenbefragung 2022

Reiche sind in politischen Machtpositionen überrepräsentiert. Doch wie sehen Abgeordnete die „ungleiche Demokratie“ selbst? Eine Studie zu den Jenaer Abgeordneten.

Zeitschrift

Helene Langbein

Die deutsche Mitbestimmung und das Eigentum

Mitbestimmung im Betrieb durch Arbeitnehmer:innenvertreterinnen in Aufsichtsräten? So sieht es das Gesetz. Aber es war und bleibt umstritten.

Blogpost

Felix Krämer, Jürgen Martschukat, Silvan Niedermeier

Dossier: Besprochene Geschichte: Die Präsidentschaftswahl 2024 in den USA und die Gefährdung der Demokratie

Dieses Dossier blickt auf die Präsidentschaftswahl 2024 in den USA und die Gefährdung der Demokratie. Zwei Beiträge thematisieren dabei auch die Rolle von Eigentum.

Dossier

Zum Weiterlesen

Bei weitergehendem Interesse kann auch die durchsuchbare Textdatenbank/Bibliografie der Neuen Bibliothek des Eigentums genutzt werden, verwiesen sei beispielsweise auf: