Eigentum und Demokratie
Aktuell stehen die Grundfesten der Demokratie zunehmend unter Druck. Doch wie hängen die Krise und die Angriffe auf demokratische Institutionen mit der Verteilung von Eigentum und Reichtum im Detail zusammen? Und welche Lehren kann man aus der Geschichte ziehen? Unsere Forschung zum „Strukturwandel des Eigentums“ kann hierzu wichtige Erkenntnisse beitragen und sichtbar machen, wie Eigentumsverhältnisse politische Teilhabe, gesellschaftliche Machtverhältnisse und demokratische Handlungsspielräume prägen.
Das vorliegende Dossier macht deutlich, dass Eigentum und Demokratie nicht getrennt voneinander betrachten werden können. Wenn beispielsweise durch Privatisierungs- und Austeritätspolitik öffentliche und zivilgesellschaftliche Akteure geschwächt werden, verändern sich auch die Voraussetzungen demokratischer Selbstbestimmung. Ebenso sind die Eigentumsstrukturen im Medienbereich ein zentraler Bestandteil demokratischer Gesellschaften: Sie schaffen Öffentlichkeit, ermöglichen politische Meinungsbildung und tragen zur Kontrolle gesellschaftlicher und politischer Macht bei. Umso relevanter ist beispielsweise die Frage, wem Medien gehören und wie Konzentrationsprozesse die Vielfalt und Unabhängigkeit öffentlicher Debatten beeinflussen.
Schließlich gilt es soziale Ungleichheiten innerhalb von Demokratien in den Blick zu nehmen. Denn auch wenn demokratische Ordnungen formal auf der politischen Gleichheit aller Bürger:innen beruhen, sind die Möglichkeiten politischer Einflussnahme keineswegs gleich verteilt. Wer über weniger Eigentum, Vermögen und Ressourcen verfügt, ist vielfach auch in politischen und gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen weniger repräsentiert und durchsetzungsfähig. Und auch historisch genossen in Demokratien nicht immer alle Menschen gleichermaßen demokratische Rechte – wie das Beispiel versklavter Menschen in den USA auf besonders drastische Weise illustriert.
Demokratie und Eigentum müssen daher zwingend gemeinsam betrachtet werden. Davon ausgehend kann gefragt werden: Wie müssen Eigentumsverhältnisse gestaltet sein, damit Demokratie nicht nur formal besteht, sondern , gesellschaftliche Teilhabe, politische Gleichheit und kollektive Gestaltungsmöglichkeiten verstärkt ermöglicht werden?
Zum Weiterlesen
Bei weitergehendem Interesse kann auch die durchsuchbare Textdatenbank/Bibliografie der Neuen Bibliothek des Eigentums genutzt werden, verwiesen sei beispielsweise auf:
- van Dyk, Silke; Kip, Markus (2023): Die Zukunft sozialer Rechte: Sozialeigentum als Vergesellschaftung von Sozialpolitik. Zeitschrift für Soziologie. https://sfb294-eigentum.de/de/bibliothek/datenbank/8LWJXY3Y/$
- Bandelin, Sebastian; Schosser, Yann (2026): Kants Kritik des Eigentums. Aktualität und Perspektiven im Anschluss an den ethischen Sozialismus. Weinheim: Campus Verlag. https://sfb294-eigentum.de/de/bibliothek/datenbank/QUZ8IND8/$
- Seeliger, Martin; Sevignani, Sebastian (2022): A New Structural Transformation of the Public Sphere? An Introduction. Theory, Culture & Society. https://sfb294-eigentum.de/de/bibliothek/datenbank/FGV22DLZ/$
- Pfeiffer, Maria (2022): Power, Property, and Participation: Rethinking the Role of Municipalities in German Wind Energy Development. Energy Policy. https://sfb294-eigentum.de/de/bibliothek/datenbank/UJLUZCSZ/$