China's Property System in Transition: Tradition, Transformation, and the Realignment of Global Power Dynamics

China ist in den vergangenen Jahrzehnten zu einem zentralen geopolitischen Akteur aufgestiegen. Eigentumstheoretische Debatten über diese Entwicklung blieben jedoch lange vergleichsweise blass und unpräzise. Die Beiträge dieses Dossiers zeichnen demgegenüber ein differenziertes Bild einer hybriden Eigentumsordnung, in der staatliche Steuerungsmechanismen, marktvermittelte Dynamiken, soziale Praktiken und geopolitische Strategien eng miteinander verschränkt sind. In den unterschiedlichen Texten geht es darum, wie Eigentum in China unter den Bedingungen tiefgreifender gesellschaftlicher Transformationen, globaler Machtverschiebungen und ökologischer Krisen neu organisiert wird. Das vorliegende Dossier nähert sich dem Thema Eigentum in China aus drei Perspektiven.

Erstens rücken die hier versammelten Beiträge Eigentum als soziale Praxis und kulturell eingebettete Form gesellschaftlicher Ordnung in den Mittelpunkt. Sie fragen nach alltäglichen Formen der Aneignung, Aushandlung und Bedeutungsproduktion. Anhand von Wohn- und Bodenverhältnissen, Umweltpraktiken, Vorstellungen von Wohlstand oder Ritualen des Todes wird sichtbar, wie Eigentum durch soziale Beziehungen, gemeinschaftliche Nutzungen und kulturelle Praktiken hervorgebracht und stabilisiert wird.

Zweitens zeigen die Beiträge, dass sich die Eigentumsordnung innerhalb Chinas während der letzten hundert Jahre tiefgreifend transformiert hat. Dieser innere Strukturwandel stellt zentrale Annahmen westlicher Kapitalismus- und Eigentumstheorien infrage, da die Institution des Eigentums eine historische wie ideologische Spezifik aufweist, die eng mit der Neukonfiguration des Verhältnisses von Staat und Markt verbunden ist. Damit wird am Beispiel Chinas deutlich, wie Marktmechanismen, staatliche Steuerung und parteipolitische Kontrolle eine neuartige Verbindung eingehen.

Drittens illustrieren die Beiträge, dass Chinas Aufstieg zur globalen Wirtschafts- und Technologiemacht zunehmend als Konflikt um Eigentum, Kontrolle und geopolitische Ordnung zu verstehen ist. Eigentumsformen, industrielle Strategien und technologische Infrastrukturen werden dabei immer stärker zum Gegenstand internationaler Machtkämpfe. Im Zentrum steht die Frage, wie die Internationalisierung des chinesischen Parteistaatskapitalismus bestehende Formen globaler Wirtschaftsordnung herausfordert und insbesondere in den USA und Europa neue industrie-, sicherheits- und geopolitische Reaktionen hervorruft.

Transformation von Eigentumsordnungen und Staats-Markt-Verhältnissen in China

Zeitschriftenbeitrag von Philipp Köncke, Lucas Erlbacher und Stefan Schmalz

„The anatomy of Chinese capitalism: Sectoral variation in party-state permeation and corporate governance“

Der Artikel von Philipp Köncke, Lucas Erlbacher und Stefan Schmalz zeigt anhand neuer Daten zu Chinas Top-500-Unternehmen die Verflechtung von Wirtschaft und Parteistaat.

Journal

Working Paper von Lucas Erlbacher

„The Evolution of Chinese Industrial Policy Debates (1979-2022 )“

Lucas Erlbacher untersucht die Neuausrichtung der chinesischen Industriepolitik zwischen globaler Integration und staatlicher Steuerung.

Working Paper

Working Paper von Qian Zhao

„Exploring Identity and Belonging in Land Ownership Rights in Premodern China“

Qian Zhao zeigt, wie vormoderne Landrechte in China Eigentum als geteilte Praxis zwischen Familie, Gemeinschaft und wirtschaftlicher Nutzung organisiert.

Working Paper

Working Paper von Qian Zhao

„Intellectual Origins of the State-centred Economic Model in the Xi Era“

Qian Zhao analysiert, wie legalistische Traditionen und Reformdebatten Chinas staatszentriertes Wirtschaftsmodell unter Xi prägen.

Working Paper

Working Paper von Philipp Köncke

„Chinas «grünes» Energiewunder. (Geo)Politische Ökonomie des chinesischen Partei-Staatskapitalismus"

Philipp Köncke zeigt, wie China trotz Krisen zum führenden Akteur eines widersprüchlichen grünen Kapitalismus wird.

Working Paper

Eigentum, soziale Praktiken und Alltagsökonomien

Working Paper von Jing Cheng, Carsten Herrmann-Pillath und Ling Li

„The Three Modes of Appropriation: Lessons of Chinese Practice for Theorizing Property“

Jing Cheng, Carsten Herrmann-Pillath und Ling Li zeigen, wie unterschiedliche Eigentumsformen im Spannungsfeld von Markt, Staat und Familie in Shenzhens Urban Villages die Dynamiken des Immobilienmarktes prägen.

Working Paper

Blogpost von Yuxuan Ren

„She Thinks Green: Understanding Chinese Women’s Perception of Green Living“

Yuxuan Ren untersucht, wie chinesische Frauen grünes Leben zwischen Tradition und Gemeinschaft im Alltag gestalten.

Blogpost

Zeitschriftenaufsatz von Carsten Herrmann-Pillath und Man Guo

„The Cultural Governance of Death in Shenzhen“

Carsten Herrmann-Pillath und Man Guo untersuchen am Beispiel Shenzhen, wie sich traditionelle Totenrituale unter staatlicher Regulierung verändern und anpassen.

Journal

Working Paper von Guo Man, Pan Liqun, Carsten Herrmann-Pillath, Ling Li und Jing Cheng

„Perceptions of wealth and attitudes towards redistributive policies in urban villages of Shenzhen, China“

Guo Man, Pan Liqun, Carsten Herrmann-Pillath, Ling Li und Jing Cheng analysieren, wie in Shenzhen Aufstiegshoffnungen, postmaterielle Werte und traditionelle Vorstellungen von Erfolg nebeneinander bestehen.

Working Paper

Monographie von Sisi Sung

„The Economics of Gender in China Women, Work and the Glass Ceiling“

Sisi Sung stellt in dieser interdisziplinären Studie die Situation von Frauen in Chinas Arbeitswelt vor. Das Buch beleuchtet die Macht von Stereotypen, die die Rollen von Frauen in Familie, Organisation und Gesellschaft festlegen.

Buch (open access)

Globale Konflikte, Internationalisierung und geopolitische Reorganisation von Eigentum (fokussiert auf China im Weltmarkt, globale Reorganisation und internationale Reaktionen und Konfliktlinien)

Zeitschriftenbeitrag von Stefan Schmalz

“Varieties of Digital Capitalism and the US–China Rivalry: The Rise of Competing Technological Spheres”

In dem Artikel analysiert Stefan Schmalz, wie Chinas staatlich geförderte Tech-Unternehmen die digitale Vormachtstellung der USA herausfordern.

Journal

Zeitschriftenbeitrag von Stefan Schmalz, Lea Schneidemesser und Hui Xu

„An emerging ‘China-threat-corporatism’? CRRC’s acquisition of a German locomotive company and its impact on labour relations“

Stefan Schmalz, Lea Schneidemesser und Hui Xu analysieren, wie der chinesische Bahnkonzern CRRC als neuer Akteur in Deutschland stabile Arbeitsbeziehungen und neue industriepolitische Allianzen hervorbringt.

Journal

Zeitschriftenaufsatz von Helena Gräf und Stefan Schmalz

„Avoiding the China shock: How Chinese state-backed internationalization drives changes in European economic governance“

Helena Gräf und Stefan Schmalz untersuchen, wie der Aufstieg chinesischer Tech-Konzerne neue Konfliktlinien im globalen digitalen Kapitalismus schafft.

Journal

Zeitschriftenaufsatz von Stefan Schmalz, Helena Gräf, Philipp Köncke und Lea Schneidemesser

„Umkämpfte Globalisierung: Amerikanische und europäische Reaktionen auf Chinas Aufstieg im Hochtechnologiebereich“

Stefan Schmalz, Helena Gräf, Philipp Köncke und Lea Schneidemesser zeigen, wie die Expansion des hybriden chinesischen Parteistaatskapitalismus neue Systemkonflikte hervorbringt und die globale Machtordnung verschiebt.

Journal

Blogpost von Stefan Schmalz und Catalina Enrica Renč

„Wie Europa digitale Souveränität erreichen kann“

Stefan Schmalz und Catalina Enrica Renč zeigen, wie Europas Abhängigkeit von US-Techunternehmen und China wächst und warum öffentliches Eigentum digitale Souveränität stärken kann.

Blogpost

Stefan Schmalz im Interview mit der IG Metall Leipzig

„Streik bei SRW metalfloat“

Stefan Schmalz erklärt, warum chinesische Investoren im deutschen Kontext meist kooperativ agieren – und weshalb der Fall der Recyclingfirma SRW eine Ausnahme darstellt.

Interview

Interview mit Stefan Schmalz 

„China wird die USA nicht ersetzen“

Stefan Schmalz erklärt im Interview mit Raul Zelik, wie Chinas technologischer und geopolitischer Aufstieg die Weltordnung verändert, ohne eine neue politische Hegemonie zu begründen.

Interview

Podcast mit Stefan Schmalz

„Ist die US-Hegemonie am Ende?“

Stefan Schmalz erklärt im Gespräch mit Felix Jaitner, wie die Rivalität zwischen China und den USA die Weltordnung verschiebt.

Podcast

Zeitschriftenaufsatz von Lucas Erlbacher

„Austria: From the Chinese Hoffnungsmarkt to European strategic dependence“

Der Beitrag von Lucas Erlbacher zeigt, wie China in Österreich vom „Hoffnungsmarkt“ zum zentralen Bezugspunkt strategischer Abhängigkeitsdebatten wird.

Journal

Zeitungsbeitrag von Carsten Herrmann-Pillath

„USA und China zerstören die Weltwirtschaftsordnung mit schizophrenen Ideologien“

Carsten Herrmann-Pillath analysiert, dass die widersprüchlichen Wirtschaftsordnungen der USA und Chinas Ausdruck eines tiefen Ideologie- und Machtkonflikts sind.

Zeitungsbeitrag